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Thema: Servo-Umbau zum Rohrrücklauf-Antrieb |
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30.01.2015, 17:01 Uhr
 Oldchap

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Demnächst geht es los mit dem Rohrrücklauf bei meinem Jati. Dafür gibt es bekanntermaßen verschiedene Lösungen. Ich möchte dazu wieder das Beier-Soundmodul nutzen und brauche deshalb einen normalen Getriebemotor als Antrieb; kein Servo.
Nun reicht aber ein Standard-Billigservo von der Kraft her gut aus, um das leichte GFK-Rohr zu verschieben, und ein billiges Servo ist preiswerter als jeder Getriebemotor (für schwerere Rohre kann man gerne ein Hochlast-Servo benutzen). Also mache ich es wieder wie beim Köti, schlachte ein Servo aus und baue es um. Weil sowas auch für andere Zwecke (Höhenrichtanlage etc.) interessant sein kann, beschreibe ich den Servo-Umbau samt der RRL-Ansteuerung mal generell.
Jedes Servo besteht -elektrisch gesehen- grob aus folgenden Hauptteilen: ein Getriebemotor, ein leicht modifizierter Vorwärts-Rückwärts-Fahrtregler und ein Lagengeber für den Servoarm. Der Getriebemotor-Teil hat meist noch den Haken, daß der Servoarm auch noch mechanisch am 360°-Durchdrehen gehindert wird. Dazu gibt es meist einen Stift, der im Gehäuse in einem Dreiviertelkreis wandern kann und dann an die Wände des letzten Viertels stößt. Das Ding muß entfernt werden. Das nächste Hindernis (und der Grund für den Anschlag) ist der Lagengeber. Das ist ein Drehwiderstand (Potentiometer, Poti), der direkt an die Servoarm-Achse angesteckt ist und dem Fahrtregler die Stellung des Servoarms mitteilt, damit der rechtzeitig stoppen kann. Das Ding muß auch raus, denn es würde beim 360°-Durchdrehen defekt werden. Zum Glück isses hier sowieso überflüssig! Es bleibt aber elektrisch am Fahrtregler dran, denn es wird dort gebraucht, wenn diese Elektronik als echter Fahrtregler eingesetzt werden soll, etwa für einen Getriebemotor zur Höhenverstellung der Kanone! Wirklich zum Wegwerfen ist also nur der Blockierstift. Insofern ist der Umbau äußerst ökonomisch!
Hier die genannten Trümmer beim zerlegten Servo. Man sieht links das Gehäuse-Mittelteil, aus dem links hinten der Antriebsmotor und rechts vorne die Rändelachse für den Servorarm rausschaut. Im dicken Zahnrad für die Rändelachse steckt noch der Blockierstift; schon fast ganz herausgezogen. Ist der entfernt, läuft der Motor samt Getriebe dauerhaft durch. Die Art der Blockierung kann natürlich von Servo zu Servo wechseln, aber entfernen läßt sie sich immer.
In Bildmitte vorne erkennt man an seinen Drähten das Poti. Es steckte ursprünglich im Gehäuse-Mittelteil von unten in der Servoarm-Achse und läßt sich einfach rausziehen. Will man den Fahrtregler als solchen irgendwo benutzen, stellt man es in die Mittelposition.
Rechts im Bild liegt die herausgezogene und vom Motor abgelötete Elektronik. An die Drähte wird bei Bedarf einfach ein anderer Motor angelötet. Voraussetzung dafür ist nur, daß dieser Motor mit den 5 V der Empfängerspannung zufrieden ist und nicht mehr Strom zieht als der Servo-Motor. Je älter das Servo ist, desto leichter ist i.d.R. der Umbau; moderne Servos mit SMD-Elektronik können fummelig sein!

Da 2. Bild zeigt das umgebaute Teil. Sieht nach wie vor aus wie ein Servo, ist aber nur noch ein Getriebemotor ohne Anschlag. Selbiger und das ebenfalls überflüssige Mitnehmerteil der Poti-Achse liegen vor dem Poti:

Angesteuert wird der Rohrrücklauf (mit 2 Geschwindigkeiten, versteht sich ) vom Beier über eine kleine Eigenbau-Schaltung, die den Namen fast nicht verdient, so wenige Bauteile werden genutzt:

Der Mikroswitch 1 hält das Rohr in voderster Stellung gestoppt, bis über den Eingang A von einem Beier-Ausgang der Rücklaufimpuls kommt. Der steuert das Relais 4 durch, und das gibt die vom Eingang B kommenden 12 V direkt auf den Servomotor (für die kurze Laufzeit hält der das aus!). Ist der Beier-Impuls weg (= hinterste Stellung), erhält der Motor eine deutlich geringere Spannung über den Spannungsregler 3 und ggf. ein paar Dioden 8 (damit ziemlich frei wählbar zwischen 5 und 8 V). Das Rohr läuft langsam wieder vor und bleibt in vorderster Stellung über den Schalter 1 stehen.
Die gezeigten Bauteile kosten weniger als 10 € und ein bissel Löterei. Noch preiswerter kann man einen 2-Stufen-Rohrrücklauf eigentlich nicht mehr bauen........
Wer kein Beier hat, kann die Schaltung mit ein wenig Zusatzaufwand auch mit anderen Soundmodulen oder direkt gesteuert benutzen. Das sieht dann so aus:

Benötigt wird also ein 2. Relais (5) sowie ein Schalter, der die hinterste Stellung markiert. Alle Dioden (6, 7, 8 ) sind billigste Typen (1N4001 etc.), die Spannungsregler 7805 oder 7806 für max. 1,5 A kosten auch kaum was. Zur Not kann man sie durch eine Anzahl Dioden ersetzen. Wenn man die gleich im Zehnerpack kauft, ist das sogar noch billiger als der Spannungsregler. -- Viele Grüße
Gerhard
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Bigtanks-Köti 1:6, Hermann-Porsche-Köti 1:6, Bigtanks-Jati 1:6
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31.01.2015, 08:28 Uhr
 OliverRauls
3D - Drucker

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Schöner, verständlich geschriebener Beitrag! Danke!
Oli
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31.01.2015, 15:10 Uhr
 halbkette

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Hallo Gerhard,
das ist tatsächlich ein gut gemachter Beitrag zum vielfältigen Thema "Rohrrückzug".
So konkret habe ich über dieses Problem noch gar nicht nachgedacht, nun hast du mir die Arbeit dafür abgenommen.
Deine Schaltung ist knapp und logisch aufgebaut und deshalb empfehlenswert.
Danke - auch im Namen aller Hobby-Elektroniker...
Hier noch ein Vorschlag, der deinen Beitrag abrunden könnte:
Wenn du dir jetzt noch die Mühe machen würdest, eine Ätzplatine zur Schaltung zu entwerfen und hier einzustellen, dann bekommst du sicher noch viel mehr verdienten Beifall dafür.
Weiter so. -- Gruß Hartmut
\" Ein Modell ist mehr als nur die Summe seiner Teile \"
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01.02.2015, 00:00 Uhr
 Oldchap

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Hallo Oli, hallo Hartmut,
danke!
Ein individuelle Platine lohnt hier nicht, denke ich. Ich habe noch nicht mal eine Streifen- oder Punkrasterplatine genommen, sondern das Kleinzeug einfach nach alter Väter Sitte mit an die Relaisfassung gelötet (ich benutze Steckrelais).
Inzwischen bin ich übrigens drauf gekommen, daß man mit der aktuellen Fassung der Beier-Firmware sogar ganz ohne Servo-Umbau und ohne Zusatzplatine auskommen kann, wenn man noch einen der 2 Sequenzer-Steckplätze frei hat! Dann läßt sich nämlich der Rohrrücklauf komplett und mit bis zu 10 Geschwindigkeiten direkt am Beier programmieren. Man kann das Rohr also auf dem Rücklaufweg also "quasi-kontinuierlich" (in Wirklichkeit in 8 Stufen) langsamer werden lassen, bevor es umkehrt und zurückläuft.
Wer aber z.B. beide Sequenzer schon für das Schwenken des Bug-MGs oder für bewegte Besatzungsmitglieder verbraten hat, kann mit der Mini-Schaltung den Rohrrücklauf dennoch vom Beier auslösen lassen (ggf. mit Schußblitz und -natürlich- mit dem Sound synchronisiert). -- Viele Grüße
Gerhard
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Bigtanks-Köti 1:6, Hermann-Porsche-Köti 1:6, Bigtanks-Jati 1:6
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