15.10.2013, 01:19 Uhr
 Oldchap

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Hallo zusammen,
beim Maßstab 1:8 bis 1:3 hat man i.d.R. keine vorgefertigten Antriebe, außer man kauft sich Fertigmodelle z.B. von Bigtanks (1:8 bis 1:4) bzw. Bausätze von Armortek (nur 1:6) samt deren vorgeschlagener Motorisierung. Aber auch wenn man in einer leeren 1:6-er Wanne notfalls ein Baby baden könnte, heißt das noch lange nicht, daß da besonders viel Platz drin ist, wenn der Kasten erst mal fahrfertig ausgestattet ist! Das Gewicht verlangt nach kräftigen Motoren, dazu passenden Fahrtreglern und genügend großen Akkus, um eine akzeptable Fahrzeit zu ermöglichen. Mit einem Soundmodul, einer Endstufe und einer Box ist dann die "Wanne voll", und zwar im wahrsten Sinne des Wortes! Die Bilder meiner 2 Kötis zeigen das recht gut, denke ich.
Das eigentliche Antriebskonzept ist bei den meisten Panzern gleich und sehr hausbacken: preiswerte Fernost-Bürstenmotoren mit Getriebe (z.B. 2 x 350 W = 200 €, 2 x 500 W = 240 €), dazu passende, leider teure Fahrtregler zwischen 200 und 460 € sowie halbwegs günstige Blei-Gel-Akkus in 12 oder 24 V mit Kapazitäten von 30 bis 60 Ah zu je 60 bis 80 € und mehr, wenn man sie kaufen muß. Beim Rollstuhl- oder bei USV-Service bekommt man gebrauchte sehr viel billiger, manchmal auch kostenlos im Tausch gegen völlig verbrauchte Exemplare.
Bis auf die Fahrtregler ist das Technik, wie man sie vor 50 Jahren auch schon kannte. Mancher fragt sich, ob das in den Zeiten der Lithiumzellen und der Brushless-Motoren nicht kleiner, leichter und leistungsfähiger hinzukriegen wäre. Nun ja, ist es schon, zumindest zum Teil.
Die Akkus wären heute sofort ersetzbar durch Li(Y)FePO4-Akkus; die Gruppe der "LiFes". Man bekommt damit auf gleichem Raum die vierfache nutzbare Kapazität von Blei-Gel-Akkus hin, die -gemessen an ihrer Haltbarkeit von bis zu 20 Jahren- sogar preiswerter sind als die Sätze von Bleiakkus, die man in der selben Zeit bräuchte. Das ändert aber nix daran, daß 24 V / 60 Ah erst mal mit 500 € bezahlt werden müssen, auch wenn sie dann mit 20 Jahren Lebensdauer die Bleiakkus letztlich ausstechen. Solche Hightech-Akkus will man dann meist auch schnell laden können, was technisch ebenfalls problemlos geht, denn "1 C" (und damit im Beispiel 60 A!) Ladestrom vertragen die Dinger ohne Schaden. Leider kostet ein solcher Lader samt Netzteil schnell mal 700 €. Versierte Kollegen sparen sich zumindest das Netzteil, indem sie für wenig Geld Server-Netzteile in der Bucht schießen. Die Dinger können pro Stück z.T. mehr als 100 A Dauerlast bei 12 V. Mit dreien davon (36 V / 100 A) kann man dann den eigentlichen Lader füttern, der auch das Balancen übernimmt.
Damit stehen der "Blei-Lösung" mit maximal 200 € für 2 Akkus und 100 € für einen starken 24 V - Lader bei der neuen Technik einmalige Anschaffungs-Kosten von 1.200 € gegenüber, und das für gerade mal etwas Platzersparnis (fast) ohne sonstige Vorteile! Ich kenne bisher niemanden, der sich da rantraut!
Kommen wir zu den Motoren, denn das Thema ist schnell abgehakt: es gibt m.W. schlicht NIX "Bürstenloses" am Markt, das einen hausbackenen, aber haltbaren Bürstenmotor in dieser Klasse ersetzen könnte! Dazu kommt noch, daß die BL-Motoren prinzipbedingt kein sonderliches Anlauf-Drehmoment haben können, was hier absolut nötig wäre, wenn man z.B. ans Anfahren am Berg oder -schlimmer- an den Tableturn im Gelände denkt. Damit muß man sich auch gar nicht erst über die hohen Preise ärgern, die die Seltenerd-Magnete der BL-Motoren mit sich bringen.
Damit wären wir schon beim Regler, und da kommt leider etwas Mißmut auf: die Zeit der Bürstenmotor-Regler ist sozusagen vorbei; 95% aller Regler sind nur noch für BL-Motoren tauglich. Das drückt auch schön auf die Preise, und der Kunde freut sich. Die ganz wenigen Bürstenregler-Hersteller wissen um ihre Exklusivität und können sozusagen verlangen, was sie wollen. Nicht wirklich schön, aber nicht zu ändern, und so zahlt man zähneknirschend bis zu 460 € für eine Reglerleistung von etwa 2 x 100 A, die man für BL in Fernost für weniger als 100 € bekäme.
Soweit mal ein Schlaglicht aufs Antriebskonzept, das zwar alles andere als Hightech ist, aber dafür außer Platz und Gewicht nicht sehr viele Ressourcen verschlingt; speziell keine finanziellen. Ein gängiger 2,5 kW-BL-Antrieb mit Lipos im "normalen" Flugmodell ist da allemal teurer!
-- Viele Grüße
Gerhard
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Tamiya-Leo 1:16, Bigtanks-Köti 1:6, Hermann-Porsche-Köti 1:6
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